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Keine Schnitzel im Schnitzelwirt

Keine Schnitzel im Schnitzelwirt

Heute wurden wir auf wunderbare Weise verwöhnt. Eigentlich wollte Nora, die erst vor einigen Wochen zu uns gestoßen ist und früher in London die Botschaft ihres Landes Nicaragua leitete, zusammen mit unseren Gästen kochen.

Nun befinden wir uns aber im Ramadan und da ist jegliches Essen bis zum Sonnenuntergang untersagt. Und doch: Wir wollten unsere Freunde bitten, zusammen mit uns ein Fest zu veranstalten und einzukaufen. Dann wollten wir zusammen mit unseren Gästen in der Küche arbeiten. Aber unsere Freunde sind selbst hervorragende Köche und haben, wie wir um 18 Uhr ankamen, fast schon alles vorbereitet.  

Ein herrlicher Duft streicht durch den „Schnitzelwirt“ und aus der Küche im 1. Stock dringt Lachen. Wir öffnen die Tür – drinnen Wasim. Er ist ganz in seinem Element, er dirigiert seine Kochtöpfe und gibt seinen Zuarbeitern Einsätze, der Kochorchester spielt einen Tusch. Aber noch müssen wir warten, denn der hybride Muezzin lässt uns erst um 19.47 die Kochtöpfe lupfen.

Zuerst wird auf der Terrasse aufgedeckt, aber es wird doch zu kalt, dann wird alles in den zweiten Stock verbracht und wunderbar aufgedeckt, sogar mit Tischtüchern, aber dann:  Reis und Hühnerschenkel, Rindfleisch in Jogurthsuppe und grüner Weizen und Gerste und danach ein beinahe kalorienfreies Dessert mit viel Honig und Zuckerwasser. Wir verbringen einen wunderbaren Abend, unterhalten uns blendend mit Händen und Füßen und manchmal auch mit dem Sprachübersetzer. Unser Mosaikkünstler zeigt Fotos seiner Werke und der Youngster berichtet stolz von seinem Werk, dem Haarschnitt des Zimmergenossen. Hatim verrät ein bisschen vom Nachspeisenrezept und Omar wird an allen Ecken und Enden gebraucht, um zu dolmetschen.

Wir alle genießen zusammen mit Pauline, der Schnitzelwirtin und ihrer Tochter einen unbeschwerten, fröhlichen Abend. Wir essen viel zu viel und ziehen spät abends glücklich und zufrieden nach Hause.

Zurück blieben unsere Freunde, die vermutlich jetzt noch einmal eine Parade der Küchentöpfe organisieren.
Mit großem Respekt werden wir uns an diese Einladung erinnern. Vielleicht darf ich für mich sagen: alle im Schnitzelwirt – mit Ausnahme der zwei Nigerianer, die aber Mitglieder einer evangelikalen Kirche sind – befolgen den Ramadan. Und Bier oder Alkohol: nichts, gibt es nicht.
Danke, meine Freunde, danke für diese wunderbare Einladung.

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