Eine kleine Weihnachtsgeschichte aus Zell am Moos

Erzählt von Andreas Forestier

Ich habe es gestern endlich geschafft: inmitten des Weihnachtstrubels habe ich meine syrischen Schützlinge zusammengetrommelt und bin wandern gegangen. Vereinbart war, zwei Stunden strammes Gehen und dann Einladung zum Obauer (nicht nach Werfen, nach Zell am Moos, bitte). Gar nicht so einfach für unsere Gäste.

Wir sind vom Schnitzelwirt in Richtung Brandstatt gewandert, eine bunte Schar: der Bauingenieur Hesham, der Landarbeiter Hamid, der schon 2014 in die Türkei geflüchtet ist, der Autoverkäufer Abud und der Karosseriespengler Mohammed. Nur einer, nämlich Hashem spricht gut Deutsch, er hat das in vier Monaten gelernt, beeindruckend. Die anderen meinen zum Thema Deutschkurs, „Hesham kann gut übersetzen“, „Deutsch brauch ich nicht wirklich“, „ja, ich werde schon lernen“, „wegen Corona konnte ich nicht lernen“.

Je höher wir kamen, umso weiter hingen die Zungen aus dem Mund. Abud, der ein starker Raucher ist, tat sich mit dem „Bergsteigen“ besonders schwer, aber als Autoverkäufer fing er zu handeln an. Unsere Absprache lautete: für jeden deutschen Satz mit mehr als 4 Worten, den er sagt, reduziere ich die Wanderzeit um 5 Minuten. Und so waren wir um 15.30 alle im Obauer und bestellten Zimtschnecken, Croissants und Cappucchino.

Am Nebentisch saß Franz W., Ihr wißt schon, der mit der roten Brille. Der Arme, er wollte in Ruhe seine Zeitung lesen, aber bei dem Lärm…. Er ist dann auch nach einer halben Stunde gegangen. Als ich etwas später zahlen wollte, hieß es nur, „das hat schon der Franz gezahlt“.

Lieber Franz, danke, diese Geste bedeutet mir viel, sie hat viel Freude bereitet und war ein schönes Weihnachtsgeschenk, auch für unsere Gäste.

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